![]() |
|
VSGF-News vom 17. Mai 2004Getreide- und Futtermittelhandel unter einem DachSeit dem 17. Mai 2004 gibt es nur noch einen Verband des Getreide- und Futtermittelhandels: Den Verband des Schweizerischen Getreide- und Futtermittelhandels (VSGF). Präsidiert wird der neue Verband von Jürg Müller, Goldach. Von Jürg Müller, Präsident VSGF und Rudolf Horber, Politischer Interessenvertreter des VSGF Nach längeren Verhandlungen haben die beiden bisherigen Verbände des Getreide- und Futtermittelhandels, der Verband Schweizerischer Getreideimporteure und die Vereinigung des Schweizerischen Getreide- und Futtermittelhandels, zum Verband des Schweizerischen Getreide- und Futtermittelhandels (VSGF) fusioniert. Ziel ist eine Bündelung der Kräfte und eine bessere Durchsetzung der Interessen des Getreide- und Futtermittelhandels gegenüber den Behörden, der Oeffentlichkeit und den anderen Marktpartnern. Der VSGF startet mit über 20 Mitgliedern, die rund 75 Prozent der Getreide- und Futtermittelimporte abdecken. Präsidiert wird der neue Verband von Jürg Müller, Goldach; Vizepräsident ist Hans Bürgi, Basel. Grosse Bedeutung des Getreide- und FuttermittelhandelsDer Importhandel spielt für die schweizerische Landwirtschaft und die Veredelungsindustrie (Fleischproduktion) eine bedeutende Rolle. Dazu braucht es neben der Rauhfutterproduktion (Gras und Heu) auch ergänzendes Kraftfutter. Dieses beträgt ca. 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr und setzt sich aus rund 60% Getreide und 40% aus Eiweiss- und anderen Komponenten zusammen. Weil durchschnittlich 80% des verwendeten Getreides aus dem inländischem Anbau stammt, hängt die Zukunft der schweizerischen Getreideproduktion eng mit der tierischen Veredelungsproduktion und somit der Mischfutterindustrie zusammen. Der Importhandel zeichnet für die Versorgung dieser Industrie mit rund 20% des verwendeten Getreides (2003 waren es als Folge der witterungsbedingten Ausfälle sogar 40 % oder rund 300'000 t) und rund 80% der verwendeten Eiweisskomponenten (2003 rund 360'000 t) verantwortlich. Ausserdem beschafft der Importhandel 100 % oder rund 100'000 t des im Inland nicht produzierten Hartweizens für die Teigwarenindustrie und 70'000 t Mahlweizen von Qualitäten, welche im Inland nicht verfügbar sind. Als vorgelagerte Stufe übernimmt der Handel weitere wichtige Funktionen und entlastet dabei die Verarbeitungsindustrie von zusätzlichen Risiken, wie z.b. dem Beschaffungs-, Liefer- oder Währungsrisiko. Umstrittene ImportregelungDie schweizerische Aussenhandelspolitik ist eine der Liberalsten weltweit mit Ausnahme der Agrarmärkte. Zum Schutz der einheimischen Landwirtschaft bestehen auf den meisten Agrarprodukten hohe Zölle und/oder Zollkontingente, um den Import von billigeren Landwirtschaftserzeugnissen zu verteuern oder gar zu verhindern. Damit wird der Wettbewerb stark beeinträchtigt. Die Schweiz befindet sich mit dieser protektionistischen Agrarimportpolitik in guter Gesellschaft mit der EU und weiteren Verfechtern einer multifunktionalen Landwirtschaft. Allerdings sollte nach Auffassung des VSGF die im Grundsatz unbestrittene Unterstützung der Landwirtschaft stärker als bisher mit nicht handelsverzerrenden Massnahmen sichergestellt werden. Ständerat Rolf Büttiker wird in der Sommersession 2004 eine entsprechende Interpellation einreichen. Im Getreidesektor bestehen in der Schweiz für Brot- und Futtergetreide im Gegensatz zur EU unterschiedliche Marktregelungen. Beim Brotgetreide wird der Grenzschutz durch ein Zollkontingent sichergestellt, das mittels Versteigerung freigegeben wird; ab dem Jahre 2005 soll versuchsweise das so genannte Windhundverfahren eingeführt werden. Beim Futtergetreide dagegen wird der Inlandmarkt mit variablen Zöllen geschützt, die den Preisunterschied zwischen Weltmarkt- und Inlandpreis abschöpfen. Der VSGF ist der Auffassung, dass mit der Zeit eine einheitliche Importregelung für den gesamten Getreidesektor angestrebt werden sollte, und zwar ein Einzollsystem mit einer Schutzklausel. Damit würden drei Fliegen auf einen Schlag getroffen: Die Einfuhrordnung würde einfacher, marktkonformer und WTO-verträglicher. Ein Blick zurückZur Gründung des Verbandes Schweizerischer Getreideimporteure (VSG) im Jahre 1922 führte das Bedürfnis nach einheitlichen Geschäftsreglementen und Kontraktformularen sowie einem stärkeren Gewicht bei den Verhandlungen mit der SBB. Die Importe betrugen damals 170'000 Tonnen pro Jahr. 1932 wurde die Futtermittelkontingentierung eingeführt; massgebend für die Kontingentszuteilung waren die Einfuhren des Jahres 1931, was naturgemäss mit einer gewissen Willkür verbunden war und daher immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen und Kontingentsforderungen führte. Die kleineren Importeure gründeten 1935 die Vereinigung von Kleinimporteuren der Futtermittelbranche und erhielten als Folge den angestrebten Sitz in der 1933 gegründeten Genossenschaft für Getreide und Futtermittel (GGF). Die Zusammenarbeit mit dem Verband der Grossimporteure, dem VSG, war alles andere als frei von Spannungen und die Zugehörigkeit in den Vorstandsgremien verschiedener Branchenorganisationen musste von den Kleinimporteuren hart erkämpft werden. Ende der 30er Jahre wurde die Pflichtlagerhaltung eingeführt, welche anfangs bekämpft und schliesslich akzeptiert wurde, weil man erkannte, dass damit eine Möglichkeit zur Erhaltung der Kontingente geschaffen wurde. Während den Kriegsjahren erfolgte der zentrale Einkauf im Ausland durch die GGF, welche von 1940 bis 1949 das Einfuhrmonopol innehatte. Der Verband forderte deswegen 1947 nach einem zaghaften Üebergang zu einer freiheitlichen Ordnung erfolglos die Auflösung der GGF. In den Jahren 1954, 1960 und 1969 wurde die Kontingentsordnung revidiert. Die Importe von Getreide und Futtermitteln erreichten 1973 den Höchstwert von 1,3 Millionen Tonnen. Im Zusammenhang mit der Revision der GGF kam es 1987 zur ersten Versteigerung von Kontingenten. Im Zuge der Agrarreform 1995 wurde die GGF schliesslich aufgelöst und die steigende Inlandproduktion von Getreide führte dazu, dass den Einfuhren immer mehr Ergänzungscharakter zukommt. Dagegen erhöhten sich die Importe von Eiweissfuttermitteln in der Folge stetig bis zum heutigen Tag. Warum die Fusion?Die Verbandsarbeit als Form der Interessenswahrung des Importhandels ist gerade in der heutigen Zeit ein wichtiges Mittel, um den steigenden Anforderungen der nachgelagerten Branchen gerecht zu werden. Damit diese Arbeit effizient und in Bündelung der Kräfte erfolgen kann, hat sich die Fusion der beiden Verbände geradezu aufgedrängt. Beide Organisationen haben die gleichen Interessen, und es war deshalb ein Gebot der Vernunft die alten Animositäten soweit sie überhaupt noch existierten über Bord zu werfen und am gleichen Strick zu ziehen. Weil Verbandsarbeit zum grössten Teil als Milizarbeit erledigt werden muss und die Mitgliedsfirmen vermehrt auf ein gutes Preis- Leistungsverhältnis achten, macht doppelt geleistete Arbeit keinen Sinne mehr. Die Kernkompetenzen des neuen Verbandes sehen wir in...
Fünf Fragen an den Präsidenten
Der VSGF auf einen Blick
| |||||||||||||||||||||||
|
| ||||||||||||||||||||||||
